Dividendenstrategie auf Zypern

Warum Zypern für Investoren, die auf Dividenden setzen, besonders attraktiv ist. In diesem Beitrag erfährst du die reale Besteuerung von Dividenden auf Zypern aus verschiedenen Ländern und warum die Dividendenstrategie auf Zypern attraktiver ist als in vielen anderen Ländern.

Das Problem der Dividenden

Als Dividendeninvestor wird man regelmäßig mit dem Problem der Besteuerung konfrontiert. In Deutschland zahlen Aktionäre auf Dividenden die Kapitalertragsteuer in Höhe von 25% + 5,5% Solidaritätszuschlag (25% *1,055 = 26,375%). Aktionäre die auf Kursgewinne bei Aktien aus sind, müssen diese erst beim Zeitpunkt des Verkaufs besteuern. Damit kann der Zinseszins unbeschnitten sein Werk vollbringen. Eine weit verbreitete Überlegung vieler Dividendeninvestoren ist es daher einfach bei entsprechendem Kapitalvermögen in ein Land zu ziehen, in dem Kapitalerträge nicht besteuert werden und dadurch die 25% + Soli gespart werden können. Besonders beliebt sind dabei Länder wie Panama oder Georgien. Warum die steuerliche Belastung in vielen Fällen dann jedoch nicht sinkt, sondern steigt, möchte ich dir in diesem Beitrag zeigen. Und ich möchte eine Lanze für Zypern brechen, warum die Dividendenstrategie auf Zypern deutlich attraktiver ist als beispielsweise in Deutschland, Panama oder Georgien. 

Quellensteuer sind das Problem

Die meisten Aktionäre haben schon Mal etwas von der Quellensteuer gehört. Für deutsche Anleger ist sie jedoch in den meisten Fällen nicht weiter wichtig. Die Quellensteuer ist die Steuer, die an der Quelle erhoben wird. In den USA beträgt diese Steuer beispielsweise 30%.

Wie viele Steuern zahlst du wirklich und wo?

Jetzt wirst du dich verständlicherweise fragen warum du bei deinen US Werten dennoch nur 25%+ Soli zahlst. Die Antwort ist im Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) von Deutschland mit den USA zu finden. Als deutscher Anleger hast du Anspruch auf einen reduzierten Quellensteuersatz von 15% und diese sind sogar komplett auf die Kapitalertragsteuer anrechenbar. Du zahlst also in Wahrheit bei Dividenden aus den USA nicht 25% Kapitalertragsteuer, sondern nur 10%, die restlichen 15% sind Quellensteuer. Ergo zahlst du 15% in den USA und 10% in Deutschland.  Die 5,5% Solidaritätszuschlag beziehen sich im Übrigen nur auf die Steuer, welche du in Deutschland zahlst. Du zahlst bei US Dividenden also die 5,5% Soli nur auf die 10% Kapitalertragsteuer aus Deutschland. Deutscher Anleger mit US Dividenden – quasi aktive Steuergestaltung – lass das den Christian nicht hören.

Und wo ist jetzt das Problem?

Über ein solch vorteilhaftes DBA wie Deutschland mit den USA verfügen nicht viele Länder. Das ist den meisten Aktionären in der Bundesrepublik jedoch nicht bewusst. Wir erinnern uns: das DBA reduziert die Quellensteuer von 30% auf 15%. 

Panama und Georgien

Zwei Länder, die nicht über ein solch vorteilhaftes DBA mit den USA verfügen, sind unter anderem Georgien und Panama. In beiden Ländern ist die Konsequenz: bei Dividenden von Unternehmen aus den USA werden 30% der Ausschüttung als Quellensteuer einbehalten. Ich habe selber einige Jahre in Georgien gelebt und Dividenden aus den USA erhalten. Die Abrechnung sah dann wie folgt aus: 

Wie du auf dem Bild erkennen kannst, habe ich $4,41 Brutto Dividende von Stryker erhalten. Davon sind jedoch direkt 30% Quellensteuer abgezogen worden.

Auswandern und mehr Steuern zahlen

Obwohl in Ländern wie Panama oder Georgien keine Steuern auf Dividenden aus dem Ausland erhoben werden, ist die tatsächliche Besteuerung von Dividenden höher als in Deutschland. Wer also auf eine Dividendenstrategie setzt und insbesondere US Werte im Depot hat, für den ist der Weg nach Panama oder Georgien, zumindest finanziell betrachtet, nicht vorteilhaft. Die Steuerbelastung liegt bei 30% vs.  26,375% in Deutschland.

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Dividendenstrategie auf Zypern

Zypern ist eine attraktive Alternative um seine Steuerbelastung auf Dividenden zu senken. Im Rahmen des Non-Dom-Programm sind Dividenden auf Zypern für 17 Jahre von der Steuer befreit. Weiterführende Informationen zum Thema Non Dom und Steuersystem Zypern findest du in diesem Beitrag. Darüber hinaus verfügt Zypern allerdings im Gegensatz zu Ländern wie Panama oder Georgien über ein sehr attraktives DBA mit den USA. Die Reduzierung der Quellensteuer wie man sie aus Deutschland kennt (von 30% auf 15%), ist auch für Aktionäre mit dem Wohnort Zypern zulässig. Ähnlich wie in Deutschland muss man dabei seinem Broker nur mitteilen, dass man steuerlich auf Zypern gemeldet ist und eventuell ein W8BEN Formular ausfüllen. 

Quellensteuer auf Zypern

Da ich selber auf Zypern lebe und Unternehmen aus vielen verschiedenen Ländern im Depot habe, kann ich dir hier aus der Praxis die Quellensteuer der einzelnen Länder zeigen. Voraussetzung ist ein Wohnsitz auf Zypern:

USA

Die Quellensteuer in den USA betragen 15%.

Großbritannien

Großbritannien erhebt keine Quellensteuer. Brutto = Netto.

Kanada

Kanada erhebt 25% Quellensteuer, die nicht reduziert werden können. In Deutschland sind 15% anrechenbar.

Irland

Irland erhebt 25% Quellensteuer, die nicht reduziert werden können. Dies betrifft nur Wertpapiere, keine Fonds/ETFs.

Frankreich

Frankreich erhebt 26,5% Quellensteuer, die nicht reduziert werden können. In Deutschland sind 12,80% anrechenbar.

Deutschland

Deutschland erhebt 26,375% Quellensteuer, die nicht reduziert werden können.

Schweiz

Die Schweiz erhebt 35% Quellensteuer. In Deutschland sind 15% anrechenbar.

Fazit

Die zu zahlende Quellensteuer auf Zypern deckt sich mit der Quellensteuer, welche man aus Deutschland kennt. Der größte Vorteil ist jedoch, dass auf Zypern keine weiteren Steuern auf diese Dividenden in den ersten 17 Jahren anfallen (Stichwort Non-Dom-Program). 
Dennoch gibt es eine verpflichtende Abgabe auf Dividenden auf Zypern. 2,73% der erhaltenen Dividenden müssen an das nationale Gesundheitssystem (NHS) gezahlt werden. Diese werden nicht direkt vom Broker abgeführt, sondern müssen in der privaten Steuererklärung angegeben werden.

Gesamtbesteuerung auf Zypern

Wer sich entscheidet seine Dividendenstrategie auf Zypern umzusetzen kann real mit folgender Abgabenquote auf seine Dividenden rechnen.

  1. USA: 15% Quellensteuer + 2,73% NHS Abgabe = 17,73%
  2. Großbritannien: 0% Quellensteuer + 2,73% NHS Abgabe = 2,73%
  3. Kanada: 25% Quellensteuer + 2,73% NHS Abgabe = 27,73%
  4. Irland: 25% Quellensteuer + 2,73% NHS Abgabe = 27,73%
  5. Frankreich: 26,5% Quellensteuer + 2,73% NHS Abgabe = 29,23%
  6. Deutschland: 26,375% Quellensteuer + 2,73% NHS Abgabe = 29,105%
  7. Schweiz: 35% Quellensteuer + 2,73% NHS Abgabe = 37,73%

Die NHS Abgabe ist gedeckelt bei 180.000€ Dividende pro Jahr. Wer also mehr als 180.000€ pro Jahr an Dividenden kassiert, für den entfällt diese Abgabe ab dieser Grenze. 

Für wen lohnt es sich?

Die Abgabenquoten für viele Länder sehen alles andere als attraktiv aus. Rein finanziell betrachtet lohnt sich der Umzug nach Zypern vor allem für Personen, die US oder UK Dividenden erhalten oder aber Ausschüttungen von ETFs erhalten. Ausschüttungen von ETFs aus Irland unterliegen ausschließlich der NHS Abgabe. Allerdings wird hier auf Fondsebene die Quellensteuer fällig. Ein Vorteil durch den ETF Mantel gibt es also nicht. 

Deutsches Depot auf Zypern

Wenn du überlegst nach Zypern zu ziehen um von den Erträgen deines Kapitals leben zu können, solltest du sicherstellen, dass dein Broker Zypern als neues Wohnsitzland akzeptiert. Einen umfangreichen Ratgeber findest du hier: Depot nach Abmeldung

Rechenbeispiel

Nehmen wir an Mr. Müller hat ein Depot in Höhe von 2 Mio. Euro. Er erhält 60.000€ Brutto Dividende pro Jahr. Seine Dividende sind zu 90% US und zu 10% britischen Ursprungs. 

Besteuerung Wohnsitz Deutschland

54.000€ US Dividenden
8.100€ Quellensteuer + 5.400€ Kapitalertragsteuer + 297€ Solidaritätszuschlag = 13.797€

6.000€ UK Dividenden
1.500€ Kapitalertragsteuer + 82,5€ Solidaritätszuschlag = 1.582,5€

Gesamtsteuerbelastung: 13.797€ + 1.582,5€ = 15379,5€
Nettodividende: 44.620,5€

Besteuerung Wohnsitz Zypern

54.000€ US Dividenden
8.100€ Quellensteuer + 1.474,2€ NHS Abgabe = 9.574,2€

6.000€ UK Dividenden
163,8€ NHS Abgabe

Gesamtsteuerbelastung: 9.574,2€ + 163,8€ = 9.738€
Nettodividende: 50.262€

Fazit

Der Aktionär in Deutschland hat pro Monat 3.718,38€ zur Verfügung. Der Anleger aus Zypern hat 470,12€ mehr, nämlich 4.188,5€ pro Monat zur Verfügung. Wie schätzt du diese Zahlen ein? Kannst du dir vorstellen eines Tages auszuwandern und die Erträge deines Vermögens am Mittelmeer unter Palmen und blauem Himmel zu verkonsumieren?

6 Kommentare zu „Dividendenstrategie auf Zypern“

  1. Hi!
    Korrektur?/Frage:
    Ich habe mich vor einer Weile grob mit eben diesem Thema beschäftigt. Die automatische Reduktion ist u.a. Brokerabhängig. Der alten Captrader Website (die haben ihre Seite grade relaunched) war zu entnehmen:

    ————————
    Australien, Kanada & Israel
    Für diese drei Länder ist ebenso eine Vorabreduzierung bei CapTrader möglich. Für Australien beträgt dies eine Reduzierung von 30 % auf 15 %, für Kanada von 25 % auf 15 % und für Israel von 30 % auf 10 % über das CRS Individual-Formular (siehe unten).

    Ausnahmen:

    Australien: bestimmte Dividenden (z. B. sog. Franked Dividends und Conduit Income) unterliegen nicht der Quellenbesteuerung; hier wird also ein Satz von 0 % veranschlagt.
    Kanada: REITs in der Rechtsform eines Trust (oft am mit „UN“ endenden Symbol in der TWS erkennbar) schütten sog. „andere Einkünfte“ aus, für die ein nicht reduzierbarer Satz von 25 % gilt.
    ————————-

    Nehmen wir aber mal den Fall Schweiz von oben.
    >Die Schweiz erhebt 35% Quellensteuer. In Deutschland sind 15% anrechenbar.<

    Du kannst aber die restlichen 20% vom Schweizer Finanzamt zurückholen.
    Für Steuer-Deutsche: https://www.estv.admin.ch/estv/de/home/internationales-steuerrecht/international-laender/sif/deutschland.html#par_headline_499964275

    Für Steuer-Zyprioten https://www.estv.admin.ch/estv/de/home/internationales-steuerrecht/international-laender/sif/zypern.html#539602382

    Solche Formulare gibt's auch in Kanada und sonstwo bei den zuständigen Behörden. Zeit, Aufwand (welche Formulare und Belege) und Fristen variieren.

    Rein technisch sollte eine Rückforderung von zuviel gezahlten (laut DBA) Quellensteuern bei den hier gelisteten Ländern möglich sein.
    https://www.pkf-cyprus-nicosia.com.cy/cyprus-tax-cyprus-double-tax-treaties/

    Oder konkret auch für die Schweiz
    https://taxsummaries.pwc.com/switzerland/corporate/withholding-taxes

    Wenn ich nicht falsch liege, sollte es auch für Deutschland möglich sein.

    https://www.bzst.de/DE/Unternehmen/Kapitalertraege/Kapitalertragsteuerentlastung/Schriftliches_Antragsverfahren/Erstattungsverfahren_50d/erstattungsverfahren_50d_node.html

    Nimm dies alles als "gefährliches Halbwissen" zur Kenntnis. Wäre natürlich Top, wenn Du das als Praktiker prüfen/bestätigen/widerlegen könntest.

  2. Als steuerausländer mit Wohnsitz Zypern kannst du dir für deutsche Aktien beim bundeszentralamt für steuern die differenz aus quellensteuer und der gezahlten Kapitalertragsteuer erstatten lassen, so dass du am Ende nur die 15% quellensteuer zahlst.

    1. Sehr guter Punkt, korrekt.
      Ich habe damit ehrlich gesagt keine Erfahrungen und habe inzwischen sogar alle deutschen Werte verkauft. Die Risiken der erweiterten beschränkten Steuerpflicht möchte ich nicht eingehen.
      Liebe Grüße und ein frohes Osterfest wünsche ich dir.
      Aaron

      1. Das DBA steht über der erweitert beschränkten Steuerpflicht (diese ist nationales Gesetz), so dass selbst wenn diese in diesem Fall greifen würde, das DBA diese wieder aushebeln würde, denn in Art 12 im DBA werden die Kursgewinne dem Anässigkeitsstaat Zypern zugeschrieben.

        Wenn DBA Sachverhalt besteht ist die erweitert beschränkte Steuerpflicht nicht mehr das große Problem wie sie es ist, wenn man in einem Land ohne DBA ansässig ist. Es zählt hier also das DBA.

        Was mich aber noch interessieren würde ist, wie das mit der Erstattung der zu viel abgezogenen Kapitalertragsteuer genau läuft. Wie ich es verstehe zieht die Bank bei Kursgewinnen von deutschen Aktien auch im DBA Fall die volle Kapitalertragsteuer ab, und man kann diese dann zurückfordern beim Bundeszentralamt. Allerdings gilt im DBA Deutschland – Zypern die Anrechnungsmethode und nicht die Freistellungsmethode, und da in Zypern die Kursgewinne steuerfrei sind bringt eine Anrechnung der zypriotischen Steuer auf die deutsche Steuer herzlich wenig. Falls jemand dazu Erfahrung hat oder etwas weiß wäre ich sehr interessiert.

  3. Ich hab jetzt noch mal im Gesetz und Kommentaren geschaut.

    DBA Deutschland-Zypern Art 13 Abs 5 weist für Kursgewinne ausschliesslich Zypern das Besteuerungsrecht zu:
    „Gewinne aus der Veräußerung des in den Absätzen 1 bis 4 nicht genannten Vermögens können nur in dem Vertragsstaat besteuert werden, in dem der Veräußerer ansässig ist.“

    Da die Verteilungsnorm klar geregelt ist (Besteuerung wird ausschließlich Zypern zugewiesen), kommt der Methodenartikel (Anrechnungsmethode) hier gar nicht zum tragen.
    Somit sollten auch Kursgewinne auf Deutsche Aktien für in Zypern ansässige Personen steuerfrei sein und die von einem deutschen Broker evtl. einbehaltene Kapitalertragsteuer vollständig erstattbar sein.

    Bei Dividenden auf deutsche Aktien ist die Differenz aus einbehaltener Kapitalertragsteuer und Quellensteuer (ca. 25% – 15% = 10%) erstattbar.

    Praxiserfahrung wäre hier interessant. Vielleicht probiere ich es mal aus und berichte.

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